Der BFFL Kassel

Die Geschichte der Freikörperkultur in Deutschland reicht bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück und hat verschiedensten Hintergründe. Es waren sowohl gesundheitlichen als auch politisch und ideologische Motive, die diese Bewegung beförderte. Die Akzeptanz von Nacktheit in der Bevölkerung ist groß. Etwa 7 Millionen Deutsche baden gerne nackt. Nach einer Studie der englischen Zeitung „The Telegraph“ aus dem Jahre 2014 gab ein Drittel der Befragten an, schon einmal nackt in der Öffentlichkeit gewesen zu sein.

 

Diese Akzeptanz der Nacktheit war aber in unserem Land nicht immer so. Ablehnung, Verfolgungen und Beschimpfungen waren bis in die späten 70er Jahre des letzten Jahrhunderts an der Tagesordnung. Insofern wundert es einen nicht, dass der Organisationsgrad in Gruppen und Vereinen eher gering ist. In Deutschland sind heute weniger als 50.000 Naturisten in Vereinen organisiert.

 

In Kassel gab es schon Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts lose Zusammenschlüsse von FKK-Freunden. Das 3.Reich verhinderte allerdings eine Vereinsgründung. Die Kasseler FKK-Freunde wurden zum Teil verfolgt und ihrer Existenz beraubt, denn die Nazis fürchteten ihre freie Geisteshaltung. Eine Gleichschaltung ließen sie nicht zu.

 

Nach dem Krieg ging es dann richtig los. Am 21.Juni 1947 trafen sich acht Gründungsmitglieder zu einer Versammlung mit dem Ziel, einen FKK-Verein zu gründen und sich ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Die Eintragung erfolgte am 9.November 1948 beim Amtsgericht in Kassel. Bis 1952 war ein Gelände auf der Dönche Heimat für den Verein. Das belgische Militär beansprucht das Gelände als Truppenübungsplatz.

 

So zog der Verein in die Fuldaaue und fand am rechten Fuldaufer eine neue Heimat. Dort wurde das Gelände umzäunt, bepflanzt und kultiviert. Es entstand eine Schutzhütte mit Kochgelegenheit und Sanitäranlagen. Wegen der anstehenden Bundes Gartenschau 1981, die in der Fuldaaue stattfinden sollte, wurde der Pachtvertrag 1979 erneut gekündigt. Der Kauf eines eigenen Grundstücks überstieg die finanziellen Möglichkeiten des Vereins.

 

Schließlich bot die Stadt eine Wiese in der Losseaue zur Pacht an. Mit großer Mühe und Einsatz der Vereinsmitglieder wurde es nach und nach hergerichtet. Ein Vereinshaus wurde gebaut und Sportstätten errichtet. Das Ergebnis ist unser wunderschönes weitläufiges Gelände. Heute verfügen wir über einen beheizten Pool, zwei Beach-Volleyball-Plätze einen Tischtennisbereich mit Allwetterplatten, einen Kinderspielplatz und eine Petong-Anlage. Ergänzt wird das Angebot um eine weitläufige Liege-, Sport- und Spielwiese.

 

Für unsere Mitglieder wurde ein großer Campingbereich eingerichtet. Er ist in Kreisen angelegt und verzichtet bewusst auf Abgrenzungen. Dies ist ein Ausdruck für die von Naturisten gewünschte Offenheit anderen Menschen gegenüber. Neben zahlreichen deutschen Naturisten begrüßen wir auch häufig Holländer und durchreisende Skandinavier.

 

Unser Verein ist jetzt über 70 Jahre alt und freut sich derzeit wachsender Beliebtheit. Das ist in der heutigen Zeit, wo viele Vereine wegen Nachwuchsmangel aufgeben müssen, nicht selbstverständlich. Wir gehören dem Deutschen Verband für Freikörperkultur (DFK) in Hannover an und sind Mitglied im Landessportbund Hessen. Unsere Volleyball-Mannschaft konnte einst in die Bezirks-Oberliga aufsteigen. Als jedoch die Zahl der Spieler kleiner wurde, bildeten wir mit dem TV Jahn und der TG Wehlheiden die Spielgemeinschaft VSG Kassel/Wehlheiden.

 

 

Und so freuen wir uns, dass wir hier ungezwungen der Erholung und dem gemeinsamen Sport nachgehen können.